Russland - Ukraine

План Путіна. Що не день – то нові успіхи

Крістоф Брумме 17 липня, 2026, glavcom.ua
Все відбувається за планом. Це вперте путінське твердження давно вже стало в Україні крилатим жартом. Москва горить – план виконується. Тисячі російських танків та артилерійських систем планомірно знищуються – «Вітаю вас, товариші!». Чорноморський флот Росії цілком за планом скоротився на третину та був витіснений країною, в якої взагалі нема флоту. Виноградні равлики повзають швидше, ніж наступають російські солдати – саме такий темп було сплановано найкращими військовими фахівцями. Село на Донбасі «звільняли» кілька разів – планувальники вигадали собі інше. Раз по разу в Москві, цілком за планом, якийсь невидимий ворог знищує генералів. Йдуть нафтові дощі? Це геніальний план! Дрони та ракети атакують НПЗ по всій країні? Пропагандистські ЗМІ вітають ці події – це ж як чудово можна навчати ППО захищати об’єкти! За планом артилерії не вистачає снарядів на три дні, але за планом друг-диктатор з Північної Кореї надсилає дружню допомогу.“

https://glavcom.ua/publications/plan-putina-shcho-ne-den-to-novi-uspikhi-1131434.html

Literatur

Dieses Durcheinander in den Köpfen

Jura kommt in den Hof. Seltsamerweise trägt er bei dieser Hitze eine Weste aus Schaffell. Jura riecht nicht wie betrunken, aber er fragt, ob ich ihm einen Wohnwagen kaufen kann, während wir uns umarmen. Kannst du mir einen Wohnwagen kaufen, kannst du mir eine Zigarette geben, so in dem Ton. Irgendwelche Kinder sollen im Wohnwagen schlafen. Die Kinder könnte er an einen See fahren. Welche Kinder, das kann er nicht erklären, seine jedenfalls leben in London.
Wir trinken natürlich nebenbei. Zwei, drei, vier Runden. Gorilka. Nie wieder Wodka. Selbst unsere Enkel werden keinen Wodka trinken, sondern Gorilka, auch wenn es das gleiche Getränk ist. Wodka trinken die Sumpfgeschöpfe aus dem Norden.
Jura erklärt, warum nur ich einen Wohnwagen für ihn kaufen kann, weil das die billigste Möglichkeit wäre. Denn hier kostete ein Wohnwagen zehn Mal mehr als im Ausland, mindestens.
Und die meisten Autoverkäufer seien „linke Hunde“, die dich linken wollen. Aber ein Auto im Ausland kaufen zu wollen, das hieße doch, man müsse den Transport bezahlen, Importsteuern, den Zoll, und was weiß ich. Und wie soll ich den Wohnwagen herbringen? Mit dem Fahrrad?
Jura fragt schließlich sehr ernst: „Kannst du mir helfen oder nicht.“
Natürlich nicht.
„Abgemacht“, sagt er, „das ist ein Wort“, als hätte ich ihm eine Zusage gemacht.
Dann beschimpft er seinen Cousin, er nennt ihn Hündin, der antwortet in gleicher Weise. Dabei lachen sie, als wäre das die lustigste Sache der Welt.
Der Cousin will Wowa genannt werden. Wenn jemand Wladimir sagt, dann wird er wütend, sagt er. Deshalb versteht er jetzt, warum Jura ihn beschimpft. Weil er meinen Namen nicht korrekt ausgesprochen hat. Ich bin kein Italiener und kein Columbus. Und Jura verteidigt meine Ehre oder was er als Ehre versteht, denn mir ist es eigentlich egal, wie man meinen Namen ausspricht. Aber Wowa kapiert das nicht, weil er unter Sprechdurchfall leidet und einfach nicht zuhören kann. Er kapiert auch nicht, dass wir das Thema Wohnwagen längst abgeschlossen haben. Eigentlich will nämlich er einen Wohnwagen haben, wie jetzt herauskommt. Aber ich kenne ihm kaum, ich hätte ihm nicht vertraut. Nur für mich hätten sie zur Vorbereitung unseres Treffens Gorilka getrunken, wie freundlich. „In Vorbereitung unseres Treffens“ hatten sie sich Mut angesoffen, obwohl das nicht nötig gewesen wäre.
„Wie viel Geld habt ihr eigentlich für einen Wohnwagen, ihr Helden?“, frage ich.
„Zweihundertfünfzig Dollar“, sagt Jura.
Jetzt lache ich, weil das die lustigste Sache der Welt ist. Führen wir hier einen Sketch von Daniil Charms auf, oder was?
Aber Jura klopft mit dem Finger auf den Tisch und besteht darauf, dass man in Deutschland für zweihundertfünfzig Dollar einen Wohnwagen kann.
„Vielleicht einen, der nicht mehr fährt“, sage ich.
Obwohl Jura Unsinn redet, bleibt er natürlich mein Freund. Lass ihn träumen. Er hat sieben Jahre in Schützengräbern überlebt und mich mitgenommen zu den vorderen Linien, eingekleidet wie ein Soldat.
Sein Cousin will die Frage nicht beantworten, ob er gedient habe. Dann sagt er, ja, er diene. Da schreit Jura ihn an, „Hündin“, diesmal ohne dabei zu lachen. Wowa „dient“ nämlich beim TZK. Er kämpft also nicht, sondern „kassiert“ Wehrpflichtige ein und bekommt dafür Prämien. Eine notwendige Arbeit, bitteschön. Aber eben noch hatte er geschimpft, dass das TZK nicht ehrlich arbeite. Warum arbeitet er dann dort?

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20 Jahre Tür an Tür !!!

„In einer Prozessakte fand ich einen Brief. Die Frau eines Mannes, der im September 1937 verhaftet und ermordet worden war, schrieb im Jahr 1957 an den KGB. Sie erzählte, dass zwei Tage nach der Verhaftung ihres Mannes einer der NKVD-Agenten, die ihn festgenommen hatten, in das Zimmer ihres Mannes eingezogen war.
Und, so schreibt sie 1957, zwanzig Jahre später: „Wenn er die Tür öffnet, sehe ich manchmal einige Sachen meines Mannes, die mir als Erinnerung sehr am Herzen liegen.“
Ihr Mann ist aufgrund „fehlender Tatbestandsmerkmale“ rehabilitiert worden.
Das bedeutet, dass der, der ihn verhaftet hat, schuldig ist. Aber sie wagt nicht, Gerechtigkeit zu fordern. Sie wohnt weiter mit dem Täter Tür an Tür.
Sie bittet (fast ein mutiger Akt), ihr diese Erinnerungsstücke zurückzugeben, die ihr so wertvoll sind.
Sie weiß, dass Gerechtigkeit absolut unmöglich ist. Das ist eine natürliche Gegebenheit.
Und damit lebt sie.

Straflosigkeit führt zu weiterer Straflosigkeit. So wird diese zur Normalität.
In den mehr als dreißig Jahren seit dem Ende der Sowjetunion hat Russland neue Staatsverbrechen begangen und neue Kolonialkriege begonnen.
Erstaunlicherweise haben die Gegner des Kreml-Regimes jedoch nie die Forderung nach Gerechtigkeit zu einem festen Bestandteil ihrer Agenda gemacht.
Die Opposition sprach in erster Linie von Korruption, von bürgerlichen Freiheiten, von gestohlenen Wählerstimmen. Aber nicht von Blut, ethnischen Säuberungen, massenhafter Folter und den zerstörten Leben der Tschetschenen.“

Straflosigkeit produziert Straflosigkeit
Über die Kontinuität von Terror und Krieg in Russland
Sergej Lebedew

https://zeitschrift-osteuropa.de/hefte/2026/1-2/straflosigkeit-produziert-straflosigkeit/

Politik und Gesellschaft

Philosophie für Kinder (13)

Poltawa, 12.07.2026 (Luftalarm)
„Kriege lassen sich nie vergleichen, lassen sich auf gar keinen Fall vergleichen“, meint die Reporterin. „Weder was die Sicherheitsvorkehrungen für uns Reporter angeht, noch was die Lösungsansätze angeht. Jeder Krieg hat seinen eigenen Fingerabdruck, und jede Lösung ist eine andere.“
Während sie bestreitet, dass sich Kriege vergleichen lassen, vergleicht sie Kriege – indem sie die Unterschiede betont.
„Das kann man nicht (miteinander) vergleichen“ ist wahrscheinlich die Formulierung, die im Deutschen am Häufigsten falsch verwendet wird. Gemeint ist fast immer: „Das ist nicht das Gleiche“ bzw. „Das ist nicht dasselbe.“
Denn natürlich kann man alles miteinander vergleichen, auch ein Sandkorn mit einem Elefanten, einen Kolibri mit Karl Marx, den Mond mit der Sonne, Gefühle mit Gedanken und Krieg mit Frieden. Womöglich zeigt ein Vergleich, dass es zwischen den Untersuchungsobjekten keine Gemeinsamkeiten gibt. Doch solche Beziehungen zu finden ist weit schwieriger als der Alltagsverstand zu wissen glaubt. Alles Stoffliche hat Gewicht, alles bewegt sich oder wird bewegt. (Aber nicht alles ist subjektiv, wie der dumpfe postmoderne Zeitgeist gern behauptet, siehe Thema „Gefühlssoße“.) Etwas kann zwar als unvergleichlich EMPFUNDEN werden, aber das bedeutet nur, dass ein Subjekt etwas als unvergleichlich empfindet.
Kriege, egal welche, sind sogar besonders leicht vergleichbar, leichter als beispielsweise Gedichte aus unterschiedlichen Sprachen, da Kriege sich durch mehr harte Fakten auszeichnen als Gedichte. Je mehr Eigenschaften, desto leichter sollten die Vergleiche fallen.
Doch es ist die Regel, nicht die Ausnahme, dass Menschen etwas als unvergleichlich empfinden, dass nicht unvergleichlich ist. Es ist „normal“, dass sie menschliche Handlungen, eigene wie fremde, „in ihrer Gesamtheit“ nicht verstehen. Dass sie nach etwas streben, das niemals kommen wird (der Kommunismus, das Himmelreich auf Erden, eine gerechte Gesellschaft). Hier hilft die Formel von Theodor Lessing, Geschichte sei die Sinngebung des Sinnlosen.

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Japanische Mönche, Rekrutierung in der Ukraine und der Gefühlsbrei im Westen

Poltawa, 09.07.2026
In Japan soll es Mönche geben, die 40 Tage und Nächte lang schweigend im Kreis (sich) in Ekstase wandern. Allerdings dürfen sie sich zwischendurch auf einen niedrigen Schemel setzen, also nicht mit dem Rücken anlehnen und dabei nicht einschlafen. Meiner Erinnerung nach bekommen sie solche Pausen ein Mal pro Stunde für einige Minuten. (Die Frage, ob das gesund ist, beantwortet sich von selbst: Nicht für jeden.)
Warum musste ich an diese Geschichte denken, als ich von dem „Vorfall“ in Lviv las, wo „eine Menschenmenge ein offizielles Fahrzeug des TZK umgeworfen hatte“. TZK – das sind die Rekrutierer für das Militär.
„Nach Angaben der Polizei Lviv begann der Konflikt nach einer Überprüfung der Wehrpflichtdokumente eines 1996 geborenen Mannes, der seit dem 12. Juni wegen Verstoßes gegen die Wehrpflichtbestimmungen gesucht wurde.“
Die „Menge“ bestand wohl aus 20 – 30 Menschen.
Und jetzt geht die Diskussion wieder los, „in der Ukraine werden Männer gewaltsam zum Militär gezwungen“. Der „Diskurs“, wie man fein im Westen sagt.
In Hunderten internationale Talk-Shows werden Tausende Zeugen des Sofas das Für und Wider „erörtern“. Dabei ist die Praxis der Mobilisierung in der Ukraine, historisch gesehen, immer noch liberal. Aber unzählige Demagogen und Nutznießer des Bösen werden nach diesen Bildern ihr Level der Empörung steigern. Dutzende Millionen Menschen werden deren Meinungen hören, die nichts weiter sind als sprachlich geronnene Gefühle, also Vermutungen.
Man kann darauf wetten, dass in keinem einzigen ausländischen Medium ein Argumentations-Niveau erreicht wird, wie es in ukrainischen Medien üblich ist. Niemand wird den Bürgermeister von Lviv zitieren, der nach diesem Vorfall daran erinnerte, dass 58.000 Einwohner von Lemberg jetzt an der Front dienen.

Die westlichen Kulturen sind stark von Gefühlsbrei geprägt, wie das Preußentum vom Militarismus, wie Stalinismus und Putinismus von Mordlust. Kein Wunder, dass Westler und ruzzen ständig aneinander vorbeireden.
Was hat das mit den japanischen Mönchen zu tun? Ohne einen von ihnen zu kennen, obwohl ich sie nur vor vielen Jahren in einem Dokumentarfilm sah, bin ich doch überzeugt davon, dass diese Mönche nicht so gutgläubig und selbstverliebt sind wie typische moderne Westler. Sie bilden sich bestimmt nicht so schnell ein, „die Wahrheit“ über ein fernes Land zu kennen, in dem sie nie gewesen sind, dessen Sprachen und Geschichte sie nicht kennen. Nein, diese Mönche kann man nicht so leicht übertölpeln wie westliche Medienkonsumenten. Sie sind sicherlich keine Opfer ihrer Einbildungen, denn sie beherrschen ja ihre Körper und ihre Gefühle, sie formen sie und setzen sie bewusst ein.

Das Tragische ist: Es ist völlig unmöglich, auch nur einem Mikro-Prozent dieser verblendeten Westler klarzumachen, dass sie sich, wie man in meiner Kindheit gesagt hätte, auf dem Holzweg befinden. (Also auf einem Waldweg, der nicht der Verbindung zweier Orte dient, sondern ausschließlich zum Abtransport von Holz. Oder zur Entmüllung sprachlich geronnener Gefühle.)
Warum ist das völlig unmöglich? Ach, das ist ein zu weites Feld. Kurz gesagt: Wenn sie bereit wären, 40 Tage und Nächte lang schweigend im Kreis zu gehen, wären sie womöglich lernfähig.

Foto: Kloster Swjatohirsk, Oblast Donezk, 19.10.2023

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Für unsere ausländischen Tagesgäste und Sofahelden / Die Dekadenz der Schönheit

B., Oblast Charkiw, 21.06.2026
Manchmal essen wir wie Könige. Wir haben einen eigenen königlichen Garten, indem wir allerdings selber pflanzen, jäten und ernten müssen, nein, dürfen. Wir haben unsere eigenen Schweine und Hühner, unsere Gänse und Ziegen. Und für den Lebensmut und den reinen Genuss haben wir Hunde und Katzen, alle natürlich mit eigener Persönlichkeit.
Wir essen wie Könige, wenn ein Freund einer Elite-Einheit Urlaub hat und mit uns fröhlich zusammen sein möchte. Dabei wurde gestern Abend auch so leidenschaftlich (und laut) diskutiert, dass niemand auf das Abwehrfeuer unserer mobilen Anti-Drohnen-Teams achtete. Was ich witzig fand, komisch. Nicht weit entfernt schießt in der Dunkelheit jemand für uns in den Himmel, damit wir Krebse essen können und nicht getötet werden. Krieg ist arbeitsteiliger Kampf um Leben und Tod, das darf man nicht vergessen.
Manche ausländischen Tagesgäste ordnen fröhliche Gesellschaften in Restaurants ja als Form der Dekadenz ein, aber ihr Gedankensprung ist zu kurz. (Das zum Matrosen geborene Kind lernt zwar schwimmen, aber nur in einer Pfütze.)
Man muss wissen, wer sich da erholt und in welcher Lautstärke und mit welchen Slogans und zu welchen Zwecken. Unser Kriegerfreund meint beispielsweise, es wäre schrecklich, wenn alle immerzu für die Verteidigung arbeiten würden, wenn alle Männer an den Fronten dienen würden, wenn es keine „Dekadenz“ mehr geben würde. Denn wie könnte er sich dann erholen? Wochenlang ist er in Lebensgefahr, dann hat er ein paar Tage Urlaub, um der schwangeren Gattin zu helfen und Freunde zu treffen. Er hat genug Geld, um sich etwas Gutes zu gönnen. Er will Konzerte hören, Theater und Museen besuchen, frohe Menschen am Strand sehen, vielleicht seiner Frau einen Diamantring kaufen.
„Müssen Männer in den Parks Blumen gießen? Wenn das Militär Männer braucht?“ Die so fragenden ausländischen Tagesgäste übersehen, dass die gleichen Männer, die Parks pflegen, auch brennende Häuser löschen nach feindlichem Beschuss. Dass sie mit ihren Maschinen Trümmer beseitigen und ihre Leben bei Rettungsarbeiten riskieren. Die Dekadenz der Schönheit ist nur das öffentlich Sichtbare.

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Drohnen und Shakespeare

B., Oblast Charkiw, 21.06.2026
Eine Drohne fliegt in der Nähe, zu sehen ist sie nicht. Ihre Töne erinnern an das Summen einer Hummel, nur viel lauter, auf- und abschwellend, immer noch lauter werdend, also näher kommend. Wohin will sie? Hat sie Augen? Fällt sie zufällig auf unser Haus? Ich trete vorsichtshalber unters Dach. Unsere Abwehr schießt, dann ist Ruhe. Haben sie getroffen, es war kein Knall zu hören? Nein, wieder ist nur die Drohne zu hören. Es hört sich an, als würde sie drei Häuser weiter fliegen. Natürlich eine feindliche. Unsere würden nicht in dieser niedrigen Höhe über eine Siedlung fliegen. Jeder Moment kann der letzte sein, kein freundliches Gefühl.

Schöner Satz bei Mark Reicher: „Die ruzzen nutzen ihre Eskalationsdominanz, sie beschießen jetzt schon ihre eigenen Öltanks.“ In Moskau.
Ich sage es ja seit Jahren: Der Kriegsherr im Kreml ist eine Figur wie von William Shakespeare, er kann nur noch falsch handeln, nur noch zerstörerisch. Nur noch zum Nachteil seines Landes und seines Regimes. Es gibt kein Zurück, der Rand des Abgrunds ist noch nicht erreicht, und der Abgrund hat keine Decke. Selbst die dunkelsten und tiefsten Orte in ruzzland sind jetzt völlig offen und ungeschützt für die Ukrainer.
Wie lange kann der Kriegsherr im Kreml noch über die Katastrophe spotten, in die er ruzzland geführt hat, wie lange kann er sie noch verniedlichen und beschwichtigen? Moskau brennt – und er schweigt? Oder er wählt den Duktus wie nach dem Untergang der „Kursk“. „Sie sank.“ Dass die Matrosen tot waren, dass man deren Tod vielleicht auch bedauern könnten, kam ihm nicht in den Sinn. „Moskau brennt.“ Das ist eine Tatsache, die es offenbar nicht wert ist, lange kommentiert zu werden. Und die ruzzen lassen sich das gefallen?

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Wie schmeckte euch der Krieg, Moskali?

B., Oblast Charkiw, 18.06.2026
Der schwarze Himmel über Moskau ist ein Gleichnis für eure schwarze Zukunft. Denn die Ukrainer haben noch gar nicht richtig damit angefangen, sich zu verteidigen – durch Entlastungsangriffe. Was ihr könnt, können wir auch, nur besser, intelligenter, effektiver, listiger und lustiger. Rache ist süß und ein schöner Nebeneffekt.
Nicht vergessen werden wir die Gemeinheit der Westler, lange Zeit den Ukrainern „zu verbieten“, den Krieg an seinen Ursprungsort zurückzuschicken. So viele von uns wurden deshalb ermordet. So viele „unschuldige“ Westler haben blutige Hände.
Jetzt zeigen die Ukrainer, wie man sich selbst rettet, indem sie die den Petro-Staat trockenlegen. „Moskau brennt“ – was für ein Wohlklang. Wer nicht hören will, muss fühlen. Ihr wolltet unsere Städte in die Steinzeit bomben, uns aus unseren Häusern vertreiben, unsere mutigsten Männer foltern, unsere Kunstschätze zerstören. Nun ist unsere Engelsgeduld zu Ende. Letztlich ist es Notwehr, Moskau das Sonnenlicht zu nehmen. Was sein muss, muss sein.
немецкий хохо́л

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Artillerie in der Steppe

B., Oblast Charkiw, 17.06.2026
Gestern sind wir lange durch Steppenlandschaften gefahren, bis an die Grenze des Oblast Donezk. Selbst die beiden Einheimischen staunten immer wieder über die Schönheit ihrer Heimat, zumal zu dieser Jahreszeit. So reich, so bunt, so fruchtbar! Man fährt mit dem Auto über saftige Schwarzerde, die man in anderen Ländern in Säckchen als Elite-Produkt an Blumenliebhaber verkaufen würde. Anatoli als Tierarzt und Mann mit breiter Bildung nannte die Namen der Blumen, Kräuter, Bäume. Welche sind essbar oder trinkbar, manche giftig oder einfach nicht sympathisch. Ein Fasan begrüßte uns an einer Weggabelung, floh aber dann ins Gebüsch.
Faszinierend ist der „Abwechslungsreichtum“. Die Landschaft ist milde, nicht extrem, bescheiden, aber wild. Nicht jede Fläche wird „genutzt“, von Menschen bearbeitet; oft wird die Natur sich selbst überlassen. Man fährt durch schattige Wälder, wo sich selten jemand hin verirrt, dann hat man das Gefühl endloser Weite und sieht Getreide bis zum Horizont wachsen. Darüber dieser süßen Schäfchenwolken. Sie waren vor uns da und werden nach uns da sein, und wir sind nur Gäste auf dieser Erde.
Wir sammelten Hülsen von Artilleriegeschossen ein, israelische und US-amerikanische. Unsere Künstlerinnen werden sie bemalen, dann verkaufen, und mit diesem Geld kaufen wir wieder Material für Tarnnetze.
Ukrainer sind erfinderisch, ist doch klar. Unser Freund S. arbeitet als Aufklärer im Donbas, er hat ein interessantestes Beispiel für die Innovationskraft im Drohnenkrieg erzählt. Die neuen Ideen entstehen in der Praxis, weil bestimmte Aufgaben erfüllt werden sollen. Man experimentiert mit den vorhandenen Mitteln, man überprüft die Verbesserungen sofort in der Praxis. Ich hatte geglaubt, dass mehr „im Hinterland“ experimentiert wird und an der Front der Praxistest stattfindet. Nein, beides gleichzeitig in den vordersten Linien.
Ein wichtiger Faktor für die Produktivität der Ukrainer ist das freundschaftliche Verhältnis zwischen den Dienstgraden, das Vertrauen zueinander, den Respekt voreinander. In einer guten Brigade stellt der Vorgesetzte Aufgaben, aber die Art und Weise, wie die Aufgaben erfüllt werden sollen, überlässt er denen, die sie ausführen müssen.
Die Brigade unseres Freundes bekam neulich Besuch von Vertretern zweier westlicher Armeen. Wie sagt man im Deutschen? „Die kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus“. Sie hatten erwartet, dass ein bestimmtes System ein Mal gesichert sei, da lachten die Ukrainer, denn sie hatten sieben Absicherungen geschafft.

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Leben auf dem Land

Kriegstagebuch, 13.06.2026, B., Oblast Charkiw
Geräuschkulisse: Regentropfen fallen auf das Wellblechdach der Sommerhütte, der Hahn feiert Sex-Orgien mit seinen 30 Gespielinnen, der Schäferhund schlägt mit der Tatze gegen sein Halsband (unter dem die Haut womöglich juckt), eine Taube gurrt, unser Waschbär faucht in seinem Käfig.
Die schwarze Katze liegt vor der offenen Tür zur Banja, sie gibt keine Geräusche von sich. Sie hat sich mit ihrem Schicksal hoffentlich abgefunden, jetzt im Sommer draußen schlafen zu müssen und ihre Kinder im Garten zu erziehen – unter anderem ein Katerchen mit dem Namen Stepan Bandera, nach meinem Vorschlag so genannt, denn er ist ein witziges Alpha-Tier. (Übrigens eine lustige Tradition, Tiere nach Politikern zu benennen. Habe ich vor fast 20 Jahren bei Jens Piske gelernt. Beleidigend wäre natürlich, ein Tier Hitler oder Stalin oder Putin zu nennen.)

Gestern Abend haben wir hier im Gartenhäuschen gut gegessen und gut getrunken. Ich wollte meinen Bauchumfang messen und dann nochmal in zwei Wochen; mit der Prognose natürlich: es werden einige Zentimeter mehr sein.
Blöde Neuigkeit: Die Feinde greifen hier im Hinterland der Front inzwischen gezielt auch Tankstellen an. Mehr sage ich nicht.
Über die Entwicklungen an den Fronten sind wir gut genug informiert. Alles wie immer, plus und minus, traurige und motivierende Ereignisse. Die historischen Dimensionen dieses Krieges sind allen bewusst, hier wird mindestens in Jahrzehnten gedacht.

Kriegstagebuch, 13.06.2026, B., Oblast Charkiw
Die Pyramide des Wissens (Spott über „Meinungen“) / Russländische „Spezialdienste“
Im Zug habe ich notiert, wie m.E. „Die Pyramide des Wissens“ aufgebaut sein sollte, um die Fähigkeit zu erlangen, existentiell wichtige gesellschaftlich Konflikte analytisch zu durchdringen und plastisch darzustellen, d.h. auch witzig, pointiert, aphoristisch.

1. Basis: sinnliche Erfahrungen, Landes- und Sprachkenntnisse, langjährige Feldforschungen mit überprüfbaren Arbeitsthesen, Demut und Neugierde, reiche soziale „Vernetzung“ (meine Wenigkeit verkehrt regelmäßig mit Menschen aus allen Schichten, auch mit „Extremisten“ – frühere Hooligans sind einige meiner besten Freunde).
2. theoretische Ausbildung, Lektüren, Kenntnis der Forschungsliteratur, Kenntnis der internationalen Debatten
3. Denk- und Reflexionsvermögen, Qualität der analytischen und darstellerischen Fähigkeiten (im Schach beispielsweise ab dem Level Elo 2000). Die Fähigkeit, die Perspektiven häufig zu wechseln sollte selbstverständlich zum analytischen Instrumentarium gehören, zur Grundausrüstung mündiger Menschen im Sinne Immanuel Kants.

Im Falle des Krieges gegen putin-ruzzland ist für die Fähigkeit zu urteilen unerlässlich: die Gewalttraditionen und Maskeraden der russischen Geheimdienste zu kennen, die Aufgaben und Praktiken der ruzzländischen „Spezialdienste“, die Traditionen der Folter und der Lager, den materialisierten Menschenhass.
Ebenso wichtig: die traumatische Geschichten der Menschen in der Ukraine und ihrer Vorfahren gut zu kennen, die Ermordung der ukrainischen Künstler, die erzwungenen Hungersnöte mit Millionen Opfern, die massenhaften Deportationen in den Fernen Osten, die politischen Morde im staatlichen Auftrag, von Moskau aus dirigiert, geplant, kontrolliert, in den gleichen Gebäuden wie heute auch, im Kreml und in der Lubjanka, aber natürlich nicht nur dort.

Literatur: Heiner Müller „Gesammelte Irrtümer“, Denis Diderot „Jacques der Fatalist und sein Herr“

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